Hans Gudewerdt II.


Zur Biographie

 

Hans Gudewerdt d. J. wurde zwischen 1594 und 1603 geboren.

(Es folgt eine Zusammenfassung aus Holger Behlings Dissertation von 1984

"Hans Gudewerdt. Bildschnitzer zu Eckernförde"

in: Studien zur Schleswig-Holsteinischen Geschichte, Neumünster 1990, S. 16 ff).

 

Als Sohn des angesehenen Meisters des Eckernförder Schnittkeramtes Hans Gudewerdt I. ist Hans Gudewerdt II. der Jüngere zwischen 1594 und 1603 geboren. Er muss in guten finanziellen Verhältnissen der gehobenen Bürgerschicht aufgewachsen sein und hat vermutlich die Lateinschule besuchen können, lesen und schreiben gelernt, was bei dem damals verbreiteten Analphabetentum nicht selbstverständlich war. Anschließend begann er die mindestens fünfjährige Bildschnitzerlehre in der Werkstatt seines Vaters. Über die Gesellen- und Wanderjahre ist wenig bekannt, offensichtlich, so Behling, haben sie ihn weit über die Landesgrenzen geführt. 1634 wurde Gudewerdt II. als Meister in die Reihen des Eckernförder Schnittkeramtes aufgenommen.

 

     Arbeiten für Herzog Friedrich III. von Schleswig-Holstein-Gottorf, auch in Dänemark, zahlreiche Epitaphien und nicht zuletzt die großen Altäre in Eckernförde (1640), Kappeln (1641), Schönkirchen (1653) und Dänischen-Hagen (1656, nur als Fragment in der Klosterkirche zu Preetz erhalten) haben seinen Ruf als bedeutender Künstler gestärkt. Für öffentliches Ansehen sorgte auch die Fertigung von vier Brautwagen für die herzogliche Residenz Schleswig-Holstein-Gottorf: 1648, 1650, 1654 für die Prinzessin Hedwig Eleonore zur Vermählung mit dem schwedischen König Karl X. Gustav und 1654 für die Prinzessin Magdalena Sybille. Der stetige Kontakt zu seinen adligen Auftraggebern und insbesondere zur Residenz des kunstsinnigen und weltaufgeschlossenen Herzogs Friedrich III bildete das Umfeld für geistige Anregung und künstlerische Weiterentwicklung. Seine Vermögensverhältnisse und sein Ansehen erlaubten es ihm, 1668 einen Frauenstuhl in der Nicolaikirche und beachtlichen Landbesitz zu erwerben, was seine herausgehobene Stellung in der Eckernförder Gesellschaft unterstreicht. Als wohlhabender und hoch angesehener Äldermann und Meister des Schnittkeramtes starb Hans Gudewerdt 1671 und wurde von seinen Amtsbrüdern am 12. Februar zu Grabe getragen.

Noch aus dem 19. Jahrhundert stammende Gerüchte, Gudewerdt II. sei einäugig gewesen (vgl. Wiese 1886, 55) und der Trunksucht verfallen (vgl. Behling 1990, 54, bezogen auf: Richard Haupt, "Noch ein Wort zu Gudewerdt" in: Heimat 42, 1932, 80-82), entbehren laut Behling jeglicher Grundlage.